Recht auf Abstand!

Unsere Forderung:

Selbst Geflüchtete, die zur Risikogruppe gehören, müssen sich aktuell in den beiden Unterkünften in der Satower Staße sowie in Langenort, Bäder und Küchen mit anderen Geflüchteten teilen. Eine Geflüchtetenunterkunft ist ein Querschnitt einer Gesellschaft. Dort Leben junge wie alte Menschen, vollkommen gesunde Menschen, aber auch Menschen mit einer Atemwegsvorerkrankung oder einem geschwächten Immunsystem. Zwar besteht in den Unterkünften ein Besuchsverbot, die Bewohner*innen,die sich auch selbst verpflegen, können aber selbstverständlich – und das darf auch nicht anders sein -die Unterkunft zum Einkaufen verlassen. Eine vollständige hermetische Abriegelung einer Gemeinschaftsunterkunft ist nicht möglich und lehnen wir als starken Einschnitt in die Grundrechte der Geflüchteten ab.

Die Stadt Rostock ließ über ihren Pressesprecher verlauten, dass durch die geringe Belegung der beiden Rostocker Gemeinschaftsunterkünfte Bewohner*innen der Geflüchtetenunterkünfte die Möglichkeit haben, Abstand zu halten. Darum sieht sie keinen Anlass, Menschen aus den Gemeinschaftsunterkünften heraus zu holen und auf Einzelunterkünfte zu verteilen.

Zudem ließen Senator und Oberbürgermeister über den Pressesprecher verkünden, die Betroffenen erst kurzfristig umverteilen zu wollen, wenn sie Bedarf sehen würden. Doch der Bedarf ist jetzt schon vorhanden. Handeln Sie nicht erst, wenn es zu spät ist.

Wir fordern den zuständigen Senator Steffen Bockhahn, das Sozialamt Rostock sowie den Oberbürgermeister der Stadt Rostock auf: Hören Sie auf, mit der aller, aber vor allem mit der Gesundheit von Schutzbefohlenen zu spielen. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt für alle Menschen, unabhängig von Religion, Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsstatus. Wir fordern Sie auf: Stellen Sie Einzelunterbringungen bereit für Geflüchtete, die zur Risikogruppe gehören. Ziehen Sie die Unterkünfte weitgehend leer, damit die Geflüchteten die Möglichkeit haben, ihr Recht auf Abstand zu leben. Nutzen Sie im Zweifelsfall auch die Kapazitäten der vielen leerstehenden Ferienwohnungen und Hotelzimmer. Arbeiten Sie lange Versäumtes auf und schaffen Sie ein Konzept zur Wohnungsversorgung für Geflüchtete in Rostock. Jeder Mensch hat ein Recht auf die eigenen vier Wände. Stellen Sie sicher, dass alle Einwohner*innen Rostocks ganz unabhängig ihrer Herkunft das Recht und die Möglichkeit haben, sich vor Corona zu schützen.

Warum ist das wichtig?

Viele Geflüchtete in den beiden Rostocker Unterkünften machen sich Sorgen und wollen ihre aktuelle Situation nicht mehr schweigend hinnehmen. Sie verlangen das Selbstverständliche, dass sie die gleiche Möglichkeit haben sich vor Corona zu schützen wie alle anderen Menschen. Daher stellen nun viele von ihnen einen Antrag auf eine eigene Wohnung.

Zwar leben derzeit meistens nur zwei Personen in einem Zimmer, es teilen sich aber in der Regel 6 Personen, die sich häufig vorher nicht kannten, ein Bad und eine Küche. Auch hindert ein geschlossener Spielplatz Kinder nicht daran, gemeinsam auf dem Hof zu Spielen. Abstandhalten bleibt in beiden Unterkünften nahezu unmöglich. Bereits 2015 hat die Stadt Rostock Geflüchtete in Hotels untergebracht. Wir sehen Senator Bockhahn in der Pflicht dies wieder zu ermöglichen und die Finanzierung dafür mit dem Land abzuklären.

Es gibt bereits einige Beispiele über die schnelle Verbreitung des Corona-Virus in Geflüchtetenunterkünften. So infizierten sich in einer Unterkunft in Ellwangen die Hälfte der Bewohner*innen mit Corona. In Bayern starb Mitte April ein Bewohner einer Erstaufnahme an Corona.

Diese Petition wird von vielen Bewohner*innen der beiden Gemeinschaftsunterkünfte getragen. Sie wurde aber auch von Unterstützer*innen und Freund*innen, die sich um diese sorgen, mitinitiert. Bitte streiten Sie mit uns und unterstützen diese Petition.

Unterstützende Vereine und Initiativen:

Rostock hilft e.V.
IMUDI – Initiative Menschenrechte und Demokratie Iran
BDP MV (Bund deutscher PfadfinderInnen Mecklenburg-Vorpommern)
Alternatives Wohnen in Rostock e.V.
Zan Wa Jameah e.v.,Rostock
Flüchtlingsrat MV
Pro Bleiberecht MV
Rostock nazifrei
Solinetz Rostock


Quellen:

www.svz.de/lokales/rostock/hansestadt-rostock/Rostock-hilft-Buendnis-kritisiert-Zustaende-in-Gefluechteten-Heimen-id28065682.html

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Corona-Kritik-an-Rostocker-Schutzmassnahmen-fuer-Fluechtlinge,coronavirus1466.html

https://www.tagesspiegel.de/politik/corona-in-fluechtlingsunterkuenften-der-fehlende-abstand-wird-zum-toedlichen-risiko/25766136.html